„Hilfe, mein Hund ist unerziehbar!“

von Dr.med.vet. Vera Biber ist, obwohl der Titel das vermuten lässt, kein Erziehungsratgeber.

Und das ist auch gut so!

Die Erziehungsmethoden, die sie bei der Schilderung ihrer Fälle beschreibt, wären mit überholt viel zu schmeichelhaft bewertet.

Dass Hundemütter ihre Welpen am Nackenfell schütteln ist, wie man seit Jahren weiß, ein übles Ammenmärchen. Und Junghunden zwecks Einübung der Stubenreinheit ab 16:00 Uhr kein Wasser mehr zu geben, ist meines Erachtens Tierquälerei. Besonders unangenehm berührt hat mich das Fallbeispiel, welches nach 20minütigem Gespräch mit der Halterin eines – zugegeben – schwierigen Hundes mit dessen Einschläferung endet.

Eigentliches Thema des Buches ist der Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten.

Hier hatte ich mir einen Überblick erhofft, welche Futterbestandteile sich wie auf das Verhalten auswirken. Der Autorin geht es jedoch vorrangig um die These, dass Futtermittelunverträglichkeiten durch industriell gefertigtes Futter sich auch auf den Hirnstoffwechsel auswirken und damit das Verhalten beeinflussen.

Meine eigenen Beobachtungen haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen Ernährung / Fütterung und Verhalten gibt. Und ich stehe den Segnungen der Futtermittelindustrie durchaus kritisch gegenüber. Von einem Buch, das sich explizit dem Thema Ernährung und Verhalten widmet, hatte ich allerdings mehr erwartet.

Die Autorin empfiehlt Rohfütterung als artgerechte Form der Ernährung, was ich jederzeit unterschreiben würde.
Warum allerdings die Ausschlussdiät (zur Feststellung von Allergien) sowie sämtliche Diäten bei Erkrankungen gekochtes Fleisch vorschreiben, wird nicht erklärt.
Vollends verblüfft hat mich der Umstand, dass in einem der Rezepte die Gabe von Rotwein empfohlen wird!

Die Ratschläge zur Rohfütterung als solcher sind nur mit Vorsicht zu genießen:
Hinweise wie der, dass nicht jedes Gemüse in beliebiger Menge verfüttert werden darf, und dass die Fütterung von rohem Schweinefleisch nicht ungefährlich ist, fehlen leider.

Fazit:

Das mittlere Drittel von „Hilfe, mein Hund ist unerziehbar!“ eignet sich für Menschen, die sich in das Thema „Tierernährung“ bzw. „kritische Betrachtung der Tierfuttermittelindustrie“ einlesen wollen.

Diese geneigten Leser erhalten allerdings mit

„Hunde würden länger leben wenn…“
Schwarzbuch Tierarzt
Dr.med.vet. Jutta Ziegler

oder

„Katzen würden Mäuse kaufen“
Schwarzbuch Tierfutter
Hans-Ulrich Grimm

mehr brauchbare Information für Ihr Geld.

Wer seinen Hund roh füttern möchte, ist mit

BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter für Hunde
Swanie Simon

oder

„Natural Dog Food – Rohfütterung für Hunde“
Susanne Reinerth

allemal besser beraten!

Was mich betrifft: Ich habe mir beim Seminar „Ernährung und Verhalten“ mit Dr. Udo Gansloßer und Sophie Strodtbeck die Finger wund geschrieben und hätte anschließend mit meinem Kopf Rauchzeichen senden können. Deren Buch zum Thema wird erst in gut einem Jahr auf den Markt kommen, ist aber sozusagen schon gekauft!

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Über Iris

Hofköchin, Hundefachfrau, Deko-Beauftragte, bekennender Schafsfan
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