Brief an das DOGS Magazin bezüglich des Interviews mit Michael Grewe

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist legitim, wenn ein Hundemagazin über verschiedenste Trainingsmethoden und –philosophien sowie deren Verfechter berichtet.

Die Art und Weise, wie Sie sich des Themas „Trainingsmethoden bei Canis / Michael Grewe“ angenommen haben, hat mich allerdings äußerst unangenehm berührt.

Ich möchte hier gar nicht vertiefen, ob und inwiefern es ethisch vertretbar, sinnvoll, oder auch nur zielführend ist, einen Hund ins Gesicht zu schlagen. Ich möchte auch nicht hinterfragen, ob und welchen Unterschied es ausmacht, womit der Hund geschlagen wird. Mir geht es um Ihren Umgang mit diesem Thema.

Zunächst finden wir ein ausführliches Interview mit Herrn Grewe, illustriert mit einer familiären Szene am Kamin, das diesem ausgiebig Gelegenheit bietet, sich zu dem bewussten Video sowie seinem Trainingsansatz zu äußern.

Nun hätte man unschwer eine ähnlich prominente „Trainergröße“ in ähnlich familiärem Rahmen dazu befragen können, welche Möglichkeiten des gewaltfreien Trainings sie für gefährliche Hunde sieht.
Stattdessen bedient man sich zweier Trainer, die in der Hundeszene weit weniger bekannt sein dürften (womit ich nichts gegen die Kollegen gesagt haben will!), zitiert diese lediglich und garniert das Ganze mit üblen Fallbeispielen.

Auffällig ist: Michael Grewe stellt fest.
Thomas Riepe und Jörg Tschentscher, glauben, finden und nehmen an

Michael Grewe bemerkt, dass gewaltfreies Training zeit- und kostenintensiv ist und dass die Hundehalter hier emotional manipuliert werden.

Zum gewaltfreien Training gibt DOGS zu bedenken, dass das Leben keine Laborsituation ist. „Passieren Fehler, muss man mit dem Training von vorn beginnen. Das kostet Zeit und Nerven.“ Und ggf. Geld (Anmerkung der Autorin).

Die Standpunkte als solche sind völlig in Ordnung, auch wenn ich nur einen davon teile.
Ärgerlich ist, dass eine Zeitschrift, die unabhängig und seriös daherkommt, gleichwohl Stellung bezieht.

Der letzte Absatz macht die Sache perfekt:
„Die Frage, ob man einen Hund einschüchtern darf, um sein Verhalten zu ändern, ist daher falsch gestellt. Besser ist es doch zu fragen: Würden Sie Ihren Hund einschüchtern oder sogar schlagen, bevor dieser einen anderen Menschen angreift?“

Die Fragestellung erinnert an die „Gewissensprüfung“ der sich angehende Wehrdienstverweigerer in den 80ern unterziehen mussten: „Stell Dir vor, deine Freundin wird vergewaltigt und Du hast ZUFÄLLIG eine Handfeuerwaffe dabei“… (BAP Fans wissen, was ich meine)…
Und an andere Totschlagargumente („wenn deine Mutter auf der Straße erschossen würde, wärest du auch für die Todesstrafe!“).

Ich darf hierzu aus Ihrem Editorial zitieren:
„Denn DOGS ist ein journalistisches Medium, nicht der verlängerte Arm nur einer gedanklichen Fachrichtung.“

Ihre Art der Berichterstattung steht nicht dafür!

Ich habe die DOGS abonniert und bisher mit Vergnügen gelesen.
Nun bin ich enttäuscht und verärgert und werde mein Abo ggf. kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Blitz

Über Iris

Hofköchin, Hundefachfrau, Deko-Beauftragte, bekennender Schafsfan
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Eine Antwort zu Brief an das DOGS Magazin bezüglich des Interviews mit Michael Grewe

  1. Liebe Frau Blitz,
    diesem Brief können wir unterschreiben; ja, diese Form der Berichterstattung stimmt mehr als nachdenklich.
    Die Art und Weise des genannten Trainers, die in unseren Augen schlicht und ergreifend respekt- und achtlos ist,
    darf nicht auch noch offizielle Anerkennung oder gar Verharmlosung finden.
    Der Angriff auf das emotionale Empfinden der Leser, ist einfach unerträglich.
    Dargestellt wird dieser Vorgang als Einschüchterung.
    Soll damit Gewalt verharmlost werden ?
    Fällt einem so erfahrenen Hundetrainer wirklich keine Alternative ein ?
    Lässt sich durch Schlagen mit einem Metallnapf ins Gesicht denn verloren gegangenes Vertrauen beim Hund wieder herstellen
    Oder ist es eher eine Bestätigung für seine bisherigen Erfahrungen ?
    Lieber Herr Grewe, es wäre wunderbar wenn Sie aus der Verteidigungsposition in die Phase des Überdenkens wechseln könnten,
    denn zweifellos gibt es Ihrerseits eine Menge Erfahrungen und sicherlich auch zahlreiche positive Trainingsmethoden die es sich lohnt weiter zu geben.

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