Stress beim Hund

Stress erleben wir, wenn wir in Situationen geraten, die wir nicht bewältigen können, oder von denen wir das zumindest annehmen.
Diese Situationen können ganz unterschiedlich sein: Zeitdruck oder zwischenmenschliche Konflikte empfinden die meisten Menschen als belastend. Prüfungsängste und  Lampenfieber plagen dagegen nicht jeden. Und bei der Fahrt in einem Aufzug haben nur wenige Menschen Stress.

Die Symptome sind trotzdem immer dieselben: Der Körper ist in Alarmbereitschaft.
Die Muskeln spannen sich an, die Haut kribbelt, der Blutdruck steigt. Manchen bricht der Schweiß aus, andere leiden unter Übelkeit oder bekommen Durchfall.

Hält diese Situation nur kurze Zeit an und gelingt es uns womöglich, sie zu bewältigen, lässt der Stress wieder nach. In diesen Fällen war er uns sogar von Nutzen: Unser Körper hat alle Reserven mobilisiert, um uns eine schwierige Lage meistern zu lassen und es hat funktioniert!

Dauert die belastende Situation jedoch an und gelingt es uns nicht, sie zu bewältigen, beginnen wir, unter Stress zu leiden. Und auf Dauer werden wir krank.
Magengeschwüre, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Depressionen … die Liste der Erkrankungen, die sich auf Stress zurückführen lassen wird immer länger.

Stress macht uns krank

Das Gehirn unserer Hunde ist genau so aufgebaut, wie das unsere, die Körperchemie ist dieselbe. Sie leiden genau wie wir und sie werden ebenso krank (bei Hunden sind es weniger Magengeschwüre und Herzinfarkte, als Hauterkrankungen, Allergien und Verhaltensauffälligkeiten. Depressiv werden können sie ebenso wie wir.)

Uns unterscheidet lediglich, dass Hunde nicht mit Worten sagen können, dass und wie gestresst sie sind. Und: Dass sie ihr Leben nur mit unserer Hilfe ändern können.

Menschen können sich Hilfe suchen und zum Beispiel Entspannungsübungen erlernen, oder eine Therapie machen. Menschen können auch beschließen, stressige Situationen einfach zu meiden. Unsere Hunde können all das nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass wir ihre Schwierigkeiten erkennen und ihnen Hilfestellung bieten.

Woran erkenne ich Stress bei meinem Hund?

Meideverhalten ist ein ganz klarer Hinweis darauf, dass meinem Hund eine Situation „unangenehm“ bis „nicht geheuer“ ist: Er wendet den Blick von dem Gegenstand seiner Beunruhigung ab, versucht, diesen weiträumig zu „umfahren“, und wenn er direkt darauf zugehen soll, stemmt er die Pfoten in den Boden und „bockt“.

Zeigt mein Hund dieses Verhalten zum Beispiel jedes Mal, wenn er ins Auto einsteigen soll, darf ich davon ausgehen, dass der Aufenthalt im Auto ihm unangenehm ist.
Gelingt es mir, ihn mit Leckerchen oder ggf. mit sanfter Gewalt ins Auto zu bugsieren, scheint das Problem aus Menschensicht häufig gelöst.
Die „Hundesicht“ dagegen kann ich an meinem Hund ablesen.

Die ersten Anzeichen von Stress und Unwohlsein sind unspektakulär und leicht zu übersehen:

Der Hund

  • „züngelt“, leckt sich also ganz kurz über Oberlippe und Nase. Das geschieht in einem Sekundenbruchteil und ist kaum zu sehen.
  • hechelt obwohl es gar nicht warm ist.
  • gähnt obwohl er offensichtlich nicht müde ist.
  • sabbert – zeigt vermehrten Speichelfluss.
  • zeigt eine sogenannte Stressmimik – die Ohren sind zurückgelegt, die Mundwinkel nach hinten gezogen, die ganze Mimik „weicht zurück“. Manche Hunde sehen dann aus, als hätten sie Ringe unter den Augen.
  • schwitzt unter den Pfoten (sehr gut zu sehen an den „Schweißtappsern“ auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt).

Deutlichere Symptome sind

  • Zittern,
  • ein gerundeter Rücken,
  • eine eingeklemmte Rute,
  • aufgerissene Augen,
  • Ablehnen von Futter,
  • Erbrechen,
  • Durchfall.

Was tun bei Stress?

Seinem Hund jeglichen Stress zu ersparen, ist weder möglich, noch sinnvoll – Stress gehört zum Leben und ist, wie bereits erwähnt, durchaus nicht immer schädlich. Er sollte jedoch zu bewältigen sein.

Eine gute, sorgsam aufgebaute Sozialisierung auf Umweltreize sorgt schon im Welpenalter für eine gewisse Stressresistenz (http://freischnauze.meinestrolche.de/bei-mir-bist-du-sicher-welpen-richtig-sozialisieren/).

Bei der Bewältigung stressiger Situationen, die sich nicht vermeiden lassen, hilft eine vertrauensvolle Beziehung zum eigenen Menschen sowie ein kleinschrittiges Heranführen an die belastende Situation. Hier kann zum Beispiel das Preydummy / Futterbeuteltraining ausgesprochen hilfreich sein.

Andere Stressoren können und dürfen ruhig vermieden werden!

Ein Hund, der im Training regelmäßig Stresssymptome zeigt, hat keinen Spaß an seinem Tun und wird auch nichts lernen – mit zunehmendem Stress sinkt nachweislich der Lernerfolg.

Auch ein Hund, der beim Hundespaziergang bzw. beim „Spiel“ auf der Hundewiese, gestresst ist, kann auf das Motto „ein Hund braucht Sozialkontakt!“ in dieser Form gut verzichten.

Und ein Hund, der sich unter der Zuwendung von Kindern oder überschwänglichen Hundefreunden (und sei sie noch so nett gemeint) nun einmal unwohl fühlt, sollte hiervor in Schutz genommen werden.

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Mensch entsteht aus vielen kleinen Bausteinen: Jede Situation, die mein Hund mit meiner Hilfe bewältigt, oder in der ich ihm aus der Bredouille helfe, ist einer davon!

Advertisements

Über Iris

Hofköchin, Hundefachfrau, Deko-Beauftragte, bekennender Schafsfan
Dieser Beitrag wurde unter artgerecht & fair, Hunde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s