Oskar übt sich im „Hofhund sein“

Ein Hund, der auf dem Land aufgewachsen ist, muss erst lernen, in der Stadt zurechtzukommen. Eigentlich kein Wunder, dass es umgekehrt genauso ist …

Allmählich kommt Routine ins Landleben:
Am Morgen gehen wir zum Stall und lassen die Schafe hinaus.

Bis zum Stall darf Oskar mitkommen, danach wartet er – trau, schau wem – hinter dem Zaun.
Er hat zwar schon im Welpenalter diverse „Bauernhoftiere“ kennengelernt, war dabei aber immer „bei mir“ – an der Leine, unter Kommando, oder sonst wie beschäftigt.
Hier begleitet er mich zwar, hat jedoch sehr viel mehr Bewegungs- und Entscheidungsspielraum und unter Umständen bin ich intensiver mit den anderen Tieren befasst, als mit ihm. Trotzdem muss ich mich darauf verlassen können, dass er keine Unruhe stiftet.
Die Patous würden eventuellen Hüte-Ambitionen ein abruptes Ende setzen, da bin ich mir sicher.
Als er die Schafe zum ersten Mal aus ihrem Stall drängeln sieht, habe ich ihm trotz des Zaunes ein „Sitz“ Kommando gegeben und es hält ihn vor Aufregung kaum auf seinem Popo. Danach kann ich regelrecht zusehen, wie sein Interesse mit jedem Tag abnimmt. Anfangs ist er noch beobachtender „Zaungast“, später befasst er sich lieber mit eigenen Angelegenheiten.

Das mag auch damit zu tun haben, dass die Schafe allmählich ein Interesse an ihm entwickeln: Sie kommen heran und wollen schauen, was er für einer ist, worauf er vorsichtshalber den Rückzug antritt. Als eines der Mutterschafe ihr Lamm an ihm vorbei führen möchte und ihm daher mit einem Aufstampfen droht, ist er denn auch gebührend beeindruckt.

Ich meinerseits bin beeindruckt und sehr stolz auf meinen Hund, als die Schafe eines Tages ausbüxen und sozusagen quer über den Hof spazieren. Oskar bemerkt das lange vor uns, macht aber weder Krawall, noch jagt er die „Ausbrecher“, sondern er kommt zu mir und überlässt es den Menschen, für Ordnung zu sorgen.
Anschließend liegt er stundenlang auf einem Aussichtspunkt und behält die Schafe vorsichtshalber weiter im Auge …

Ich hab auch Spaß an den wolligen Zeitgenossen!

Im Ausbüxen sind sie erstaunlich gut!
Wenn der angebotene Weidegrund ihnen nicht mehr attraktiv erscheint, entwickeln sie eine verblüffende Kreativität – von wegen „dummes Schaf“!
Heimlichtuerei ist allerdings nicht ihre Stärke: Lässt man sie in Ausflugslaune aus ihrem Stall, wird sofort und unter aufgeregtem „Mäh! Mäh!“ der Fluchtweg angesteuert. Dann weiß man, an welcher Stelle man den Zaun ausbessern muss …

Sie lassen sich führen, indem man mit etwas Attraktivem (einer Dose, in der Trockenfutter rappelt, oder – besser noch – einem Arm voll Salat) vor ihnen herläuft. In diesen Fällen können sie auch sehr fordernd sein: Wenn man ihr Futter nicht schnell genug rausrückt, stellen sie sich auf die Hinterläufe und schubsen mit den Vorderbeinen. Wenn sie einen kennen, kommen sie schon angerannt, sobald man sich ihnen nähert.

Spannend wird es, wenn man sie bergab führt: Das Gelände ist steil, die Wege schmal und Schafe sehr viel trittsicherer und flinker, als Menschen. Haben sie erst einmal überholt, neigen sie jedoch dazu, stehen zu bleiben und sich zu fragen, was los ist. Die nachfolgenden Schafe sehen sich ausgebremst und schubsen wie oben beschrieben. Ich bin mehrmals kurz davor, mitsamt den Schafen den Hang zum Stall hinabzukugeln …

Die ersten beiden Lämmer klaut uns leider der Fuchs aus dem Stall.
Das Dritte ist ein Schwarzes und ich finde es, als seine Mutter es noch kaum trockengeleckt hat. Fortan setze ich meinen Ehrgeiz darein, den Schafstall in einen Hochsicherheitstrakt zu verwandeln.
Wenn das Lamm uns erhalten bleibt, soll es – wenn es nach mir geht – Callas heißen, denn es hat eine kräftige Stimme, von der es reichlich Gebrauch macht.
Zunächst hatte ich auf einen „Caruso“ getippt, weil ich die Nabelschnur mit einem Penis verwechselt hatte … das Landleben ist komplizierter, als man denkt!

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Mittlerweile gibt es zwei schwarze Lämmer und ich gebe mit großem Vergnügen das „Baby – Shuttle“: Die Mutterschafe brauchen ewig um mit ihren Kindern von A nach B zu kommen. Manchmal verlieren die Lämmer auch den Anschluss und stehen kläglich schreiend in der Weltgeschichte herum. Dann klemme ich mir eines unter jeden Arm, trabe Richtung Weide oder Stall und verkneife mir ein vergnügtes „Mäh!“.

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Die Ziegen übernachten draußen und werden nur täglich durchgezählt. Dabei quirlen sie zwar genauso durcheinander, wie die Schafe, sie sind aber sehr viel leichter voneinander zu unterscheiden. Wenn man ihnen ein paar Mal Futter gebracht hat, erkennen sie einen am Ruf und kommen im Galopp und unter lautem Gemecker angerannt.
Ärger noch als die Schafe klettern die Ziegen an einem hoch wenn sie gefüttert werden wollen. Sie klauen einem die Taschentücher aus der Hosentasche und verschmähen auch Schnürsenkel nicht. Bei all dem sind sie außerordentlich charmant …

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Oskar bleibt auch hier vorsichtshalber hinter dem Zaun und gibt sich äußerst gelassen, obwohl er die Futterpräferenzen der Ziegen durchaus teilt.

Mein Hund hegt eine ausgeprägte Vorliebe für rohen Kohl!
In den Gärten steuert er die entsprechenden Beete ganz gezielt an: 1. Romanesco, 2. Broccoli, 3. Pak Choi und schlingt hinunter, was er kann.
Es sei ihm gegönnt, obwohl man Kohl nur in Maßen füttern soll. Weil er nämlich bläht. Was ich leidvoll bestätigen kann …
Nach seinen Kohlgelagen sondert Oskar Gase ab, die mich über die Vorteile der Zwingerhaltung nachdenken lassen …

 

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Über Iris

Hofköchin, Hundefachfrau, Deko-Beauftragte, bekennender Schafsfan
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2 Antworten zu Oskar übt sich im „Hofhund sein“

  1. shira-hime schreibt:

    *hihi* Hundepups ist schon fatal ;o)
    aber ein sehr interessantes Leben, was Du da beschreibst.. ist sicherlich spannend, jeden Tag mehr zu lernen, da einem ja jeden Tag auch ein bisschen mehr auffällt ^^

    liebe Grüße
    shira

  2. Marlies Renk schreibt:

    ich weiß, wovon Du sprichst – jedenfalls was die Kletterkünste der Ziegen anbelangt! Wenn du vorne eins auf dem Knie hast, hängen garantiert auch noch zwei auf den Hacken – jedenfalls solange du fressbares im Korb hast…

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