C’est le hasard qui fait bien les choses

Gastautor: Bernd Ackermann (www.Durantis.eu)

Die Entscheidung, künftig mit zwei Patous auf dem Hof leben zu wollen, war reine Notwehr. Ein streunender Jagdhund hatte mehrfach unsere Zwergschafe angegriffen: Ein Dutzend war nächtens qualvoll gestorben, etwa genausoviele haben wir nach ihrer Flucht nie wiedergesehen. Den Hund haben wir gestellt, sein Besitzer hat ihn daraufhin abgeholt und irgendwie verschwinden lassen. Einziger realistischer Schutz gegen künftige Wiederholung: mindestens einen Patou, also einen traditionellen Herdenschutzhund (offiziell Chien de Montagne de Pyrénées) auf den Hof zu holen.

Die Pyrenäen sind nur ein paar Autostunden von unserem Hof im Herzen der Cevennen entfernt. Bereits seit ein paar Jahren gab es dort, im Sommer 2006, ein Programm zur Reintegration der Patous in die traditionelle Wanderweidewirtschaft. Viele Jahrzehnte lang hatte man in der Vergangenheit die Hunde mit den Herden über Nacht alleine auf den Sommerweiden gelassen. Ein durchaus bewährtes Verfahren, da ein Patou in aller Regel ohne größere Mühe alles Erforderliche zum Schutze seiner Herde tut. Und das übrigens praktisch ausnahmslos durch seine bloße Präsenz, im Normalfall selbst ohne einen Blickkontakt zum potentiellen Herdenstörer.

Ein erster Kontakt mit dem Verein, der sich um die technische Begleitung interessierter Schäfer bemühte, bestätigte uns, hier die vermutliche einzige Lösung gefunden zu haben. Vertrauensvoll überließen wir es den Fachberatern, uns alsbald einen Hof zu empfehlen, auf dem wir einen geeigneten Welpen abzuholen hofften. Victor sollte sein Name werden, im November kam er an. Auf ihn wartete in einem kleinen Stall eine handverlesene Auswahl besonders charakterfester und robuster Zwergschafe – ja, sowas gibt’s tatsächlich – und eine Junghundunterkunft mit geschützter Futterstelle. Von Beginn an war dieser Stall nun sein Zuhause.

Gute landwirtschaftliche Praxis widerspricht immer mal wieder ganz unbeeindruckt den ansonsten üblichen Vorstellungen – etwa den Regeln der Kunst. Wer will, dass sein Patou künftig seine Schafe beschützt, muss ihn von allen anderen Hunden trennen, selber viele Stunden im Hintergrund möglichst unsichtbar präsent sein und den Schafen die weitere Sozialisierung des Hundes überlassen. Nicht nur auf den ersten Blick ist das weder artgerecht, noch fair. Die Schafe sind zahlreich, sie sind größer, sind eine eingespielte Gemeinschaft und haben am Anfang mit dem Welpen leichtes Spiel. Wenn es nach ihnen ginge, würde sie ihm sein Fressen wegnehmen, damit er wieder verschwindet.

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Die nun folgende, höchst kuriose Annäherung lässt Victor erkennen, dass die Schafe doch ganz umgänglich sind. Sie fangen ihrerseits an, den Fremdling gewähren zu lassen. Mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten lernt Victor schnell, wie sich Schafe mehr oder weniger freundlich nähern, wie sie miteinander umgehen. Bald fühlt er sich so sicher, dass er seinerseits Angebote für neue, aus seiner Sicht ebenfalls lustige Verhaltensweisen macht. Dabei kommt im gegebenen Fall allerdings weder Öhrchen knabbern noch Nachlaufen den Schafen als amüsante Bereicherung des täglichen Umgangs vor.

Abstellen können sie an dieser Stelle das Verhalten des Hundes jedoch nicht. Hier ist der Bauer gefragt. Der war zu diesem Zwecke mit einem – wie ich heute weiß – höchst kruden Vorschlagssammelsurium zur sofortigen Verhaltenskorrektur beim Hund ausgestattet worden, die wiederzugeben ich mir hier gerne erspare, da sie erst recht nicht zur Nachahmung beim Familienhund geeignet sind … Dass Victor keinen erkennbaren Schaden genommen hat, dürfte vor allem anderen tatsächlich am unglaublichen Langmut eines Patous liegen. Solange man ihn nicht angreift, ihm nicht aggressiv begegnet, lässt er sich ganz unbeeindruckt von Schaf und Mensch eine ganze Menge bieten.

Wenn man sie sorgfältig erzieht, werden sie nicht gefährlichnicolai-et-duck-4-web

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Das gilt auch für die Hunde

 

 

Nach knapp zwei Monaten kam der Hund in die Gesamtherde, kurze Zeit später in das weitestentfernte Gehege, die Ausbildungsschafe wieder in den Stall und Welpe Freya traf ein. Alles wieder von vorne. Diesmal schon weitaus entspannter. Hatte ich eventuell bisher vergessen zu erwähnen, dass ich mir sehr große Sorgen gemacht hatte, dass mir das Ganze aus dem Ruder laufen könnte … Dass ich nicht genug Zeit haben könnte, vor dem Stall zu lauschen, um ggf. fix doch mal dabeizusein. Dass Victor mit meinen Hobbyinterventionen nicht einverstanden sein könnte … Dass so ein Patou rasend schnell ein großer Hund wird …

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Am Ende der Herdenintegration von Freya lassen wir die beiden Junghunde zusammentreffen. Sie bilden wunschgemäß eine bis heute währende Lebensgemeinschaft, so dass auch die nächste Sorge verblasst: Frei lebende Patous können, wenn sie sich langweilen, recht ärgerliche Ausflüge machen. Das geht zwar auch als Paar, kommt aber nach aller Erfahrung weit seltener vor und schont so die nachbarschaftlichen Beziehungen. Erfahrungsgemäß im Schnitt zweimal im Jahr …

Ansonsten kümmern sich Victor und Freya – vor allem Nachts – um das Weghalten aller ihnen für die Schafe bedrohlich erscheinender Eindringlinge. Und das auf der gesamten von den Tieren beweideten Fläche. Bilanz bis heute, was Schafe und Ziegen betrifft: Null Probleme.

freya-und-victor-reinhard-h © Reinhard Herder

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Und die Menschen? Durantis ist ein agrotouristischer Bauernhof. Im Sommer kommen und gehen die Urlauber tagein tagaus. Allein der Erstkontakt zwischen einem beispielsweise gerade dem Stau entronnenen Ankömmling und zwei freilaufenden Riesenhunden ist – wenig überraschend – nicht immer ganz problemfrei. Vor allem für mich. So manches Mal hätte ich Boden versinken mögen. Wenn etwa die Patous zur Begrüßung freundlich gestreichelt werden und sie daraufhin ihre Schnauze mal so richtig in den Schoß bohren. Sie können schon ganz fürchterlich plump sein. Und nicht jedeR reist in Arbeitskleidung, nicht jeder/jedem ist es egal, wenn zu befürchten steht, vom freundlich sabbernden Hund verunreinigt zu werden. Ansonsten auch hier: alles im grünen Bereich.

Das Zusammentreffen von ein paar weniger glücklichen Umständen ließ in diesem Frühjahr zwei Junghunde unverkauft auf dem Hof verbleiben. Bislang waren alle Welpen nach acht bis zwölf Wochen von ihren neuen BesitzerInnen abgeholt worden. Zum ersten Mal erlebte ich, wie schnell sich Welpen und Junghunde entwickeln, wieviel Arbeit ihre Eltern damit haben, unauffällig in der Nähe zu sein, sie gewähren zu lassen, ohne sie jemals in potentiell schwierigen Situationen allein zu lassen. Und durfte überrrascht feststellen, dass Ice und Igor sich von Anfang beinahe vornehm distanziert und höchst angemessen den Schafen gegenüber verhielten. Zum ersten Mal warteten allerdings am frühen Morgen auch zwei Hunde auf mich, um mir – wann immer möglich – auf Schritt und Tritt zu folgen.

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Aus Gründen, die weit außerhalb dieses Textes liegen, hatte ich es versäumt, mich auf diese Situation vorzubereiten. Konnte gerade mal das landwirtschaftlich absolut Notwendigste regeln: Junghund in Gemüsekultur geht gar nicht. War erstaunt über die Bereitschaft und Gelehrigkeit der Beiden. Und ganz offen erleichtert, als wiederum der Zufall mir just in diesem Augenblick eine in diesem Blog durchaus bekannte Hundetrainerin um die Ecke schickte.

Die sammelte die beiden Zwerge ein und vermittelte ihnen – so sah es aus – leichter Hand, wie Kommunikation besser funktionieren kann. Mit ganz einfachen, leisen, einladenden oder bremsenden Gesten bespaßte sie ein paar Male die beiden jungen Patous. Spielerisch machte sie ihnen Angebote, die gerne angenommen wurden. Ice und Igor schien sie höchst unterhaltsam zu sein. Sie folgten nun vorzugsweise Iris, da wollte natürlich Spiel- und Spazierhund Brian seinen Einsatz nicht verpassen und weil eine Hundetrainerin schwerlich ohne Hund – hier natürlich: Oskar – kommt, zeigten auch Freya und Victor höchst ständige dezente Präsenz. Dafür wurde weder geflüstert noch getanzt. Das war nicht nötig. Und fügte sich doch fast wie von Zauberhand.

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Gerne räume ich ein, dass der ignorante Teil des dickschädligen Bäuerleins sich über den ganzen Zirkus durchaus amüsiert hat. Iris spielte mit den Hunden. Nun denn. Denen gefiel’s. Alles bestens. Aber sollte das nachhaltig sein können? Doch dann wich der leise Spott einer weitaus wohlwollenderen Betrachtung. Vor allem jene leisen, aber stets wiederkehrenden Gesten schienen es zu sein, mit denen Ice und Igor gerne etwas anzufangen wissen wollten. Sie arbeiteten erkennbar daran, zu entziffern, was denn da jetzt zu tun sei. Und wollten mehr von dieser Art der Unterhaltung.

Iris Abreise brachte da ein jähes Ende. Ihren Platz konnte ich nicht einnehmen. Mir haben die Beiden die Einladung zum spielerischen Lernen einfach nicht abgenommen. Ich war wohl – da nicht wirklich überzeugt – im Ergebnis halt auch schlicht nicht überzeugend. Geblieben sind sie dennoch alle, die leisen kleinen Gesten. Geübt werden sie nun on the fly, bei sich bietender Gelegenheit und vor allem bei der Arbeit. Da scheine ich authentischer zu sein, da klappt’s oft und langsam auch besser. Wenn es darum geht, kleine Missverständnisse über die heutige Verteilung der Futterplätze zu regeln, die kleinen Kerle herzubitten oder zurückzulassen – mit den leisen Tönen beziehungsorientierten Trainings geht’s allemal besser als mit meinen bis dato improvisierten kommunikativen Versuchen.

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Bisheriges Highlight: Das Handzeichen für Bleib. Aus hier unwichtigem Grund waren die Schafe im Eiltempo unterwegs, ihre Richtung kam mir gelegen. Um die Ecke kamen auf einem anderen Weg zwei junge Hunde, die sich anschickten, diese vermeintliche Einladung zum Spiel gerne annehmen zu wollen. Ohne lange nachzudenken, habe ich mich für einen festen Blick und ein Bleib entschieden. Diesmal ist die fehlende Überzeugung wohl nicht übergesprungen: Ice und Igor haben eine Vollbremsung hingelegt und sich sicherheitshalber auch gleich noch hingesetzt. Wohl gemerkt: Mit Blick auf eine vorbeilaufende Schafherde. Wunderbar. Und ganz sicher ausbaufähig.

Der Schönheitsfehler indes liegt auf der Hand: Patous reisen nicht. Sie erlaufen ihre Welt. Und soweit sie laufen mögen, gibt es nicht einmal irgendeine Hundeschule. Und ihr Bergbäuerlein könnte selbst dann keine Hundetrainerin anreisen lassen, wenn sie in der nächsten Stadt zu finden wäre. Eine Kleinbauernexistenz bietet vieles.
Freizeit – z.B. zur gelegentlichen Teilnahme an Seminaren zum Umgang mit dem Junghund – gehört aber eher weniger dazu. Also macht meinereiner, was er immer macht: Er improvisiert. Und schätzt sich dabei glücklich, dass der Zufall ihm gleich mehrfach nicht nur tolle Hunde, sondern auch noch eine liebenswerte Hundetrainerin vorbeigeschickt hat.

Wenn’s jetzt noch ein artgerecht&fair Lehrvideo, eine kleine Junghunde-ausbilden-for-beginners-Broschüre und dann und wann ein Blockseminar mit eingeflogenem Profi gäbe, die alles was praxiserprobt ist, mal kurz beziehungsorientiert und artgerecht vormacht, was könnte aus diesen beiden netten Hunden nicht alles werden. Am Ende gar Patous, die nicht nur souverän ihre Arbeit machen, sondern die sich im Erstkontakt mit der Damenwelt – ganz von alleine und sehr galant versteht sich – auch noch zu benehmen wissen … Ein Traum. Aber nicht ganz unrealistisch.

C’est le hasard qui fait bien les choses. Bin gerne geneigt, das in dieses Fall zu glauben.

victor-im-spielzeug--nico-muehlmann© Nico Mühlmann

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Unsicherheit

Immer mal wieder werde ich gefragt, wie man einen unsicheren Hund sicherer, souveräner „kriegt“.
Nun: Genau wie einen Menschen!

Manche Menschen bekommen Schweißausbrüche wenn sie vor – sagen wir – 1000 Zuhörern eine Rede halten sollen. Bei anderen passiert das schon, wenn sie erwägen, sich bei einer Diskussion auch einmal zu Wort zu melden. Manche Menschen können auf Parties ausgelassen tanzen und feiern. Wenn sie zu Beginn der Party niemanden kannten – nach zwei Stunden kennen sie alle und haben einen Riesenspaß. Andere stehen um Mitternacht immer noch am Rand und halten sich an ihrem Glas fest.
Manche Menschen stehen für ihre Interessen ein, andere meiden jeden Konflikt.

Einem unsicheren Menschen könnte man zu Rhetorikkursen raten, zu Kommunikationskursen, Benimmkursen, Flirtkursen, Tanzkursen, Selbstbewusstseins-Aufbau-Kursen, einer Psychotherapie und so weiter und so fort.

Trotz aller Mühen werden nicht alle Menschen das Ziel solcher Kurse erreichen: Nicht jeder wird zum Partylöwen, manche bleiben schüchtern. Und nicht jeder will überhaupt Reden halten oder auf Parties gehen.

Und Hunde sind auch nur Menschen!
Ihr Selbstbewusstsein lässt sich stärken, souveränes Auftreten lässt sich üben.
Aber wie beim Menschen gibt es Grenzen, die wir respektieren sollten.

Ich für mein Teil habe kein Problem damit, vor anderen Menschen zu sprechen. Das Lampenfieber hält sich in Grenzen und ein paar Rhetorikkurse haben auch nicht geschadet. Geht es aber darum, bei einer Party „small zu talken“, schicke ich jederzeit andere vor: Da bin ich stieselig und werd’s auch bleiben!

Ob und wann Unsicherheit beim Hund ein Problem ist, liegt sozusagen „im Auge des Betrachters“.
Umweltunsichere Hunde zum Beispiel neigen dazu, sich stark an ihrem Menschen zu orientieren. Die „fragen“ regelmäßig „darf ich das?“ und zeigen wenig Neigung, zu privaten Ausflügen aufzubrechen. Das kann gemeinsame Unternehmungen sehr erleichtern!

Sozial unsichere Hunde kommen häufig sehr gut durch’s Leben, indem sie sich einfach indifferent / unauffällig benehmen: „Ich bin nicht da, Du bist nicht da.“. Das kann so gut funktionieren, dass ich mich schon wieder frage, ob es sich nicht um ein ziemlich souveränes Verhalten handelt.
Ein Hund, der sich vor jedem anderen auf den Rücken wirft, muss übrigens nicht unsicher sein: Es gehört schließlich eine Menge (Gott)vertrauen dazu, sich so hinzuschmeißen und fest daran zu glauben, dass einem nix passiert.

Viele unsichere Hunde „leiden“ jedoch „leise“. Das sind die Kandidaten, die nur die Rute klemmen und sich mit „Oh, Scheiße, oh, Scheiße“ auf der Stirn durch’s Leben drücken.
Solche Hunde haben Probleme, verursachen aber keine, weswegen sie häufig auch keine Hilfe bekommen.

Leidet der Hund „laut“, kläfft, schnappt und schießt nach vorne, bereitet er Probleme.
Dann verlangt der Mensch nach souveränem, gelassenem Verhalten.
Dann möchte der Mensch auf den Hund „einwirken“, erwirken, dass der Hund bestimmte Verhaltensweisen unterlässt.

Wäre man böswillig, könnte man geradewegs behaupten, ein souveräner Mensch kommt damit klar, dass sein Hund sich ab und zu danebenbenimmt…Aber erstens sind wir nicht böswillig und zweitens respektieren wir, dass auch Menschen ihre Grenzen haben!

Im Folgenden werden wir Möglichkeiten aufzeigen, wie der Mensch das Selbstvertrauen seines Hundes stärken kann, wie er ihm Sicherheit bieten kann und welche Strategien es gibt, schwierige Situationen zu bewältigen. Trotzdem möchten wir dafür plädieren, die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren. Bei Mensch und Hund!

Wie gewinnt man Sicherheit, wie entwickelt man Selbstvertrauen, wie erlernt man souveränes Verhalten?

Regeln bieten Sicherheit!

Stellen Sie sich vor, Sie treten eine neue Stelle an.
Der Pförtner wünscht Ihnen gutes Gelingen und lässt Sie auf’s Firmengelände. Sie suchen herum und fragen sich durch bis Sie das richtige Gebäude, das richtige Stockwerk gefunden haben. Dort suchen Sie nach einem Arbeitsplatz, der unbenutzt aussieht und der Ihre sein könnte. Es duftet nach Kaffee, aber Sie wissen nicht, woher Sie welchen bekommen könnten. Außerdem haben Sie noch nicht herausgefunden, wo die Toilette ist.

SCHNITT!

Stellen Sie sich vor, Sie treten eine neue Stelle an.
Beim Pförtner werden Sie von einem Kollegen abgeholt, der Sie zu Ihrem Arbeitsplatz bringt und Ihnen auch die Kollegen und Kolleginnen vorstellt.
Er führt Sie herum und zeigt Ihnen Kopierraum (keine privaten Kopien!), Toiletten und Kaffeeküche.
Sie dürfen sich Kaffee nehmen, müssen dann aber in die Kaffeekasse einzahlen und Ihre benutzten Tassen selbst spülen. Ihnen wird erklärt, unter welchen Bedingungen Sie das Telefon privat nutzen dürfen, wann Mittagspause ist und wer wen in den Pausenzeiten vertritt.

Regeln über Regeln…
Trotzdem werden Sie sich vermutlich mit der zweiten Variante besser fühlen. Entspannter. Sicherer! Weil Sie sich nicht andauernd fragen müssen, ob das, was sie tun, richtig oder falsch ist.

Einem Hund, der in eine neue Familie kommt, geht es nicht anders!
Er wird sich umso sicherer fühlen, je transparenter und eindeutiger die Spielregeln sind.

Menschen und Hunde fühlen sich sicherer, wenn sie das Verhalten ihres Gegenübers vorhersehen können. Stellen Sie sich ihren Lebenspartner vor: Wenn Sie nie wissen, ob er herzlich lachen, Sie in seine Arme schließen oder aber Geschirr nach Ihnen werfen wird, können Sie nie entspannt „Sie selber“ sein.

Sozialpartner geben Sicherheit!

Ein Beispiel: Sie sind mit Ihrem pubertierenden Hütehund-Rüden unterwegs, als der Biker aus der Nachbarschaft in Lederkombi und mit Helm auf dem Kopf auf Sie zukommt.
Was Ihr Hund denkt: „Alien Alarm! Der Typ hat kein Gesicht! Kämpft um Euer Leben!“.

Ihm jetzt mit sanfter Stimme zu erklären, dass Freund Alien ganz harmlos ist, wird ihm nicht weiterhelfen.
Ein energisches „Halt die Klappe!“ aber noch viel weniger!

Wer an Sicherheit gewinnen soll, dem muss ich Sicherheit geben!

Nicht mein Hund muss also mutig sein, das erledige ich für ihn: Ich nähere mich dem „Alien“, nehme Kontakt auf und komme lebend wieder. Mehr noch: Ich bitte den Biker, seinen Helm ab- und später vor den Augen meines Hundes wieder aufzusetzen.
Wer versteht, wie der Kugelkopf mit dem fehlenden Gesicht zustande kommt, muss sich nicht mehr fürchten!

Dieses „Sicherheit geben“ ist jedoch nicht einfach eine mentale Übung für den Menschen!
Die Gleichung „Ich habe ihn an der Leine = ich gebe ihm Sicherheit“ geht nicht automatisch auf.

Jeder Mensch eines leinenaggressiven Hundes, der diesen regelmäßig mittels gestraffter Leine an anderen Hunden vorbeiführt (?), wird – wenn er ehrlich ist – bestätigen, dass sein Hund durch dieses Procedere nicht souveräner wird.

Und auch Hunde, die an der Leine durch beängstigende Situationen geschleift werden, kommen ganz offensichtlich nicht zu der Erkenntnis, dass alles halb so schlimm war.

In beiden Fällen begeht der Mensch stattdessen einen Vertrauensbruch: Er nimmt das Problem seines Hundes durchaus wahr, hilft ihm aber nicht, es zu bewältigen.

Sicherheit gebe ich, indem ich meinen Hund aktiv entlaste:
Eine Gefahr nähert sich: Wir weichen gemeinsam aus!
An diesem Punkt höre ich regelmäßig „damit bestätige ich doch die Angst!“.
Würde ich mit einem Aufschrei des Erschreckens zur Seite springen, wäre das sicherlich der Fall. Indem ich aber in aller Ruhe einen Bogen laufe, signalisiere ich meinem Hund „ich habe dein Problem erkannt und ich biete dir einen Lösungsweg an“.

„Sich verstanden fühlen“ ist der erste Schritt in Richtung Vertrauen.

Eine Gefahr nähert sich: Ich springe in die Bresche und teste aus, wie groß sie tatsächlich ist.
Flatternde Planen zum Beispiel können sehr sehr unheimlich sein!
Meinem Hund jetzt zu erzählen, dass alles in Ordnung ist, bringt ihn nicht weiter. Auch wenn es uns manchmal so vorkommen mag: Hunde verstehen nicht, was wir sagen!
Sie verstehen aber sehr wohl, was wir tun.

Ich lasse also meinen Hund warten und nehme die Gefahr in Augenschein, untersuche, berühre sie. Möchte mein Hund nun doch näher kommen, kann er das tun, anderenfalls laufen wir wieder einen Bogen.

Sollte ich meinen Hund in dieser Situation locken?
Gegenfrage: Vor Ihnen liegt ein Gegenstand, der z.B. eine Bombe sein könnte.
Der hinzu gerufene „Spezialist“ befasst sich jedoch nicht weiter mit dem verdächtigen Gegenstand, sondern versucht, Sie dazu zu bewegen, sich ebenfalls zu nähern. Womöglich bietet er Ihnen Geld dafür.
Gehen Sie hin?

Oder fühlen Sie sich womöglich sicherer, wenn er sich konzentriert mit dem Gegenstand Ihrer Angst befasst, anstatt Faxen zu machen?

Erkennen, dass der andere sich dem Problem kompetent widmet, ist der zweite Schritt!

Eine Gefahr nähert sich: Ich vertreibe sie!
Ganz egal, ob ein Mensch meinen Hund bedrängt, ein anderer Hund ihn belästigt oder ein herannahendes Pferd ihm bedrohlich erscheint, ich positioniere mich zwischen ihm und der vermeintlichen Gefahr. Ich behalte die „Gefahr“ im Auge, stoppe sie und schicke sie ggf auch weg.

Wir alle kennen die „Oooooooch, vor mir brauchst du doch keine Angst haben“ – Sager, die Überbeuger und Partout-Streicheln-Woller.
Wenn es nur irgendwie geht: Stellen Sie sich vor Ihren Hund. Sprechen Sie denjenigen an, sorgen Sie dafür, dass er SIE ansieht. Stoppen Sie ihn mit erhobener Handfläche und sprechen Sie die Zauberworte: „Bitte sehen / sprechen / fassen Sie meinen Hund nicht an!“!
Für einen unsicheren Hund ist genau das der Moment, in dem er sich mit einem erleichterten Aufseufzen zurücklehnen kann: Gerettet!

Der dritte Schritt: Mein Mensch befreit mich aus der Bredouille!

Ein Hund der gelernt hat, dass sein Mensch ihm Sicherheit bietet, kann sich in dessen Gegenwart auch einmal etwas trauen. Er wird sich zur Not darauf verlassen, dass sein Mensch schon weiß, was er tut.

Jahaha, diese Form des Trainings ist anstrengend und lästig für den Menschen, aber weniger verlangen Sie Ihrem Hund auch nicht ab, oder?
Und wenn Sie gerade „Niemals, da mache ich mich ja lächerlich!“ gedacht haben, dann haben Sie das Kernproblem erfasst: Es geht darum, soziale Unsicherheiten abzubauen!
Wenn Sie möchten, dass Ihr Hund hier an sich arbeitet, gehen Sie am Besten mit gutem Beispiel voran.

Sie sind kein „in die Bresche Springer“? Kein „Fassen Sie meinen Hund nicht an!“ Sager?
Akzeptiert!
Sie müssen nicht mit dem Kopf durch die Wand!
Entscheidend ist, dass Sie und Ihr Hund einen Weg finden, mit dem Sie beide gut klarkommen!
Bitte lassen Sie sich im Zweifel dabei helfen, einen gemeinsamen Weg zu finden!

Dass der Mensch seine „Führungsposition“ durchsetzen solle, können Sie überall nachlesen. Dies ist ein Plädoyer dafür, sie so gut wie möglich auszufüllen!

Neben der Beziehungsarbeit gibt es natürlich auch Beschäftigungsformen, die das Selbstbewusstsein stärken: Erfolg macht selbstbewusst!
Erfolg aus Hundesicht ist ein gelöstes Problem, eine erfolgreiche Jagd…
Eine Auseinandersetzung, die man für sich entschieden hat, sicherlich auch, nur zählt die nicht zu den unter Menschen akzeptierten Beschäftigungsformen.
Schleifen, Urkunden und Pokale dagegen gelten Hunden nicht viel.

Eine Möglichkeit, Selbstbewusstsein über Training aufzubauen, ist die Arbeit mit dem Futterbeutel (Preydummy).
Aus Hundesicht handelt es sich beim Preydummy nicht um ein Spielzeug, sondern tatsächlich um Beute – sozusagen „fliegendes Abendessen“.
Dieses wird (mit steigendem Schwierigkeitsgrad) apportiert, teils in Kooperation mit dem Menschen, teils aber auch als „Knobelei“ oder „Mutprobe“.

Einerseits sollte der Preydummy für den Hund so wichtig sein, dass er sich auch einmal selbst überwindet um daran zu gelangen. Andererseits – und wichtiger! – sollte er gelernt haben, dass sein Mensch ihn niemals in’s Verderben schicken würde. „Wohin mein Mensch mich zum Apport schickt, da wird mir auch nichts passieren!“.

Jenseits von Lob und Futterbelohnungen bin ich der festen Überzeugung, dass Hunde sehr wohl wissen, wenn etwas gut funktioniert hat, wenn sie einen guten Job gemacht haben. Und ich bin ebenfalls der Überzeugung, dass sie dann stolz auf sich sind! Und auch hieran wächst ihr Selbstvertrauen.

Mantrailing, die Suche nach vermissten Personen, nutze ich auch sehr gerne zur Stärkung des Selbstbewusstseins.
Schritt eins ist das Erfolgserlebnis: „Ich habe die gesuchte Person gefunden!“
Im weiteren Training werden schrittweise Schwierigkeiten eingebaut: Die Trail führt z.B. an anderen Hunden, spielenden Kindern oder anderen Angstauslösern vorbei.

Die Perspektive verschiebt sich: Ziel des Trainings ist nicht das „NICHT tun“.
Stattdessen verfolgen Mensch und Hund ein gemeinsames Ziel, das „Störfaktoren“ in den Hintergrund treten lässt.

Im Laufe eines solchen Trainings wachsen Mensch und Hund zu einem Team zusammen, welches gemeinsame Interessen verfolgt und bei dem einer sich auf den anderen verlassen kann. Gleichzeitig ist es der Anfang einer echten Beziehung – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!

 

 

 

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Ollie zieht ein

Vor ein paar Tagen ist „Pflegeollie“ bei uns eingezogen.

Normalerweise nehmen wir keine Hunde in Pension, aber dies war deutlich ein Notfall: Frauchen hat sich diverse Knochen gebrochen und Ollie ist … nun ja … ein wenig speziell

An dieser Stelle drängt es sich geradezu auf, auf die „Traineraura“ zu verweisen, die es uns ermöglicht, kraft unserer Energie auch schwierige Hunde innerhalb kürzester Zeit „einzunorden“ …
Schön wär’s …

Tatsache ist, dass Hunde, die in eine neue Familie kommen, sich zunächst meist sehr unauffällig verhalten: Sie müssen ja erst einmal herausfinden, welche Spielregeln in ihrem neuen Zuhause gelten.
Im ersten Schritt besteht die Kunst also lediglich darin, diese „Unauffälligkeit“ zu erhalten und zu bestätigen.

Findet der Hund darüber hinaus eindeutige und verbindliche Spielregeln (Strukturen) vor, muss man ihn einfach nur „mitspielen“ lassen.

Ansätze von unerwünschtem Verhalten, werden nach Möglichkeit ignoriert: Ollie zum Beispiel kennt mich schon eine Weile und hat längst gelernt, dass man bei mir mit Krakeel ganz bestimmt nichts erreicht, aber sofort meine Aufmerksamkeit hat, wenn man sich ruhig verhält.
Verhalten, welches man nicht ignorieren kann, wird ruhig und freundlich unterbunden.

Voilà: Traineraura!

Und natürlich ist Oskar dabei eine unschätzbare Hilfe!Er hat während seines „Bildungsurlaubes“ in Frankreich
(https://wizzardoz.wordpress.com/2013/07/06/durantis-2/)
eine Menge über Gastfreundschaft und das Vorleben gelassenen Verhaltens gelernt und setzt das jetzt sehr schön in die Praxis um.
Bei all seiner Kindsköpfigkeit und partiellen Frackigkeit erscheint er Ollie immer noch als ein Ausbund an Souveränität und innerer Ruhe, an dem dieser sich gern orientiert.

 

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Durantis

Was ist spannender,

einen alten Freund nach über 20 Jahren wiedersehen, oder beobachten, wie seine Patous (Chien de Montagne des Pyrénées, Pyrenäenberghund) mit meinem Hund verfahren?

Die Hunde nehmen mir freundlicherweise die Entscheidung ab und umringen mein Auto, aus dem man ein entschiedenes Knurren hört – so ein Hütehund lässt sich auch nicht lumpen, wenn man seinem Territorium zu nahe kommt.
Die eigentliche Begegnung verläuft dennoch erfreulich unspektakulär.
Patous sind grundsätzlich gelassene Hunde, die nicht gleich Krawall anfangen.
Jedenfalls, wenn sie erwachsen sind.
Die beiden Junghunde, die knurrend und kläffend herangehoppst kommen, setzt Oskar umgehend davon in Kenntnis, dass dieses Verhalten gar nicht gut ankommt.

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Was wiederum Mutter Freya auf den Plan ruft, die sich ihrerseits die Einmischung in ihre Erziehung verbittet.

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Als Vater Victor, der eigentliche Chef des Hofes, herangeschlendert kommt, um den Neuankömmling in Augenschein zu nehmen, ist Oskar ganz klein mit Hut.

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Jetzt können die Menschen einander begrüßen!

***

Durantis, ein kleines, liebevoll restauriertes Gehöft in den Cevennen (Frankreich), verzaubert mich vom ersten Moment an. Ein winziges Labyrinth aus Häusern, Winkeln, Durchgängen und Treppchen.

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Mauern, Dachziegel und der Boden bestehen aus silbrigem Schiefer, der in der Sonne leuchtet. Alles ist voller Blumen – manche sind liebevoll in Pflanzkübel gesetzt, die meisten haben die Spalten zwischen den Schieferplatten erobert. Jedenfalls die, in denen keine Vögel nisten. Drum herum grün, soweit das Auge reicht.

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Terasse

Ein Paradies!

Meine Schwärmerei wird jäh von der Erkenntnis unterbrochen, dass die Schafe ausgebüxt sind und ich mich nützlich machen kann. Unverhofft finde ich mich in einer Führungsposition wieder: Unter dynamischem Klappern mit einer Futterdose jogge ich vor den Schafen her, um sie auf ihre Weide zurückzubringen. Ziegen zählen, finde ich dagegen ganz schwierig: Die quirlen unentwegt durcheinander …

Das Trockenklo habe ich bei meiner Ankunft ganz eigenständig entdeckt. Wo aber mag die Dusche sein? Ab und zu verlaufe ich mich in den silbrig schimmernden Gässchen und lande unverhofft in einem Garten.

Wie betört ich bin, wird mir klar, als ich mich mitten in der Nacht barfuß, im Nachthemd und ohne Taschenlampe auf dem Weg zum Trockenklo wiederfinde, von dem ich mir durchaus nicht sicher bin, wo genau ich es finde. Derlei Expeditionen sind sonst so gar nicht meine Art, aber ich fühle mich geborgen an diesem Ort und finde im Mondlicht tatsächlich meinen Weg.

***

Die Schafe sollen ein „ausbruchsicheres“ Gelände bekommen und ich lerne, wie wichtig es ist, Zäune so zu bauen, dass weder Schafe darüber springen, noch Wildschweine darunter durch gelangen können.

Hier laufen die Hunde frei und ich versuche, Oskar, der sonst viel in der Ferienwohnung brummen müsste, in die Hofgemeinschaft zu integrieren. Die Interaktionen unter den Hunden sind hochspannend: In aller Regel sind es die beiden Junghunde, die Oskar und mir auf den Fersen sind und jede unserer Aktivitäten lautstark kommentieren. Gibt es Konflikte, erscheint wie aus dem Nichts ihre Mutter Freya.

Freya

Hundespaziergänge sind in dieser Konstellation nicht ganz einfach:
Als wir uns anschicken, das Gelände zu verlassen, bremst Freya mich sehr charmant aus.
Ich ignoriere ihre Bemühungen und muss feststellen, dass Victor uns den Weg abgeschnitten hat. Seinem Charme kann ich nicht widerstehen und wir kehren brav um.

Hirten- (also sowohl Hüte- als auch Herdenschutzhunde) sehen es meist nicht gern, wenn man sich unter ihrer Obhut allzu viel umherbewegt. Ganz gleich, ob es sich um unternehmungslustige Schafe oder aber ebensolche Touristen (was für die Hunde vermutlich auf ein und dasselbe hinausläuft) handelt: Sie werden ausgebremst und zurückgebracht.

Andere Charaktere mögen hier kläffen und in Waden beißen… die Patous bitten höflichst um Aufmerksamkeit, lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass es sich hier um ein Angebot handelt, welches man nicht ablehnen kann.

***

Gegessen wird, was vom Feld kommt!

Garten

Und geerntet wird, was gerade reif ist.

Erbsen

Damit zu kochen ist für Menschen, die daran gewöhnt sind, die passenden Zutaten zum Rezept zu besorgen und nicht umgekehrt, schon eine kleine Herausforderung.
Dafür ist das Gemüse so lecker, dass man kaum etwas falsch machen kann. Ich jedenfalls bin mit meinen ersten Gehversuchen ganz zufrieden.

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Unkraut wird in reichlicher Menge „geerntet“…

Aber es macht Spaß, sich durch nebeneinander liegende Reihen zu arbeiten und sich dabei zu unterhalten. Und Arbeit, deren Ergebnis man unmittelbar sehen kann, macht einfach zufrieden!

***

Oskar, wie die anderen Hunde, einfach bei der Arbeit mitlaufen zu lassen, klappt schon am dritten Tag deutlich besser. Am besten kommt er mit Brian klar, einem Mix, der den Bordercollie unter seinen Vorfahren durch sein Verhalten erahnen lässt, dessen „Stammbaum“ ansonsten aber völlig unklar ist. Seine Aufgabe auf dem Hof ist es, nett zu sein. Das macht er auch bei Oskar ziemlich gut.

Brian

Die erwachsenen Patous ignorieren Oskar die meiste Zeit. Anfangs sind sie auf sein Bellen hin noch gekommen, um nach dem rechten zu sehen; allmählich wächst die Erkenntnis, dass seine „Botschaften“ sie nicht interessieren müssen.

Die Patous, so lasse ich mir erklären, bellen in ganz spezifischen Situationen:

Wollen sie zum Beispiel eine klar definierte und bekannte Störung auf Distanz halten, bellen sie energisch und wiederholt – ermahnen quasi den Störenfried immer wieder, nicht näher zu kommen.

Vermuten sie eine potentielle Störung, bellen sie kurz, warten ab, bellen gegebenenfalls noch einmal und überzeugen sich zunächst, ob der vermeintliche Störenfried tatsächlich einer ist, bzw. ob er nicht bereits den Rückzug angetreten hat.

Bewegt sich jemand noch unerkannt oder an ungewöhnlicher Stelle, wirkt ihr Bellen unsicher. Stellen sie dann fest, dass sie tatsächlich blinden Alarm geschlagen haben, verhalten sie sich betont unauffällig, teils auch beschwichtigend.

Und ja: Ich bin der festen Überzeugung, dass Hunde nicht nur ein Empfinden für Erfolg und Stolz haben, sondern auch eines für den Würdeverlust, der mit unangemessenem Verhalten einhergeht!

Die „Bellfreudigkeit“ des Aussies, seine Bereitschaft, stets alles und jedes lautstark und anhaltend zu kommentieren, muss den Patous wie das anhaltende Schlagen blinden Alarmes vorkommen. Oder wie die Bemühungen ihrer Sprösslinge, die jedes Verhalten – auch das Bellen – mit großem Eifer imitieren, aber noch lange nicht begriffen haben, worum es hierbei eigentlich geht.

Sie begegnen dem mit Nachsicht…

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Was mich wirklich verblüfft, ist die Tatsache, dass er die beiden Junghunde, die ab und zu noch meinen, ihn nerven zu müssen, mittlerweile vor der Nase ihrer Eltern in die Schranken weisen darf, ohne dass diese auch nur eine Augenbraue heben.

Womöglich sind sie noch nachsichtiger, als ich bisher dachte…

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Sie dulden sogar, dass Oskar das Haupthaus betritt, in das sie nicht hineindürfen. Diese Duldsamkeit macht das Zusammenleben hier sehr viel unkomplizierter, als zunächst befürchtet.

Vermutlich liegt ihnen einfach ähnlich viel daran, wie einem erwachsenen Menschen an dem Privileg, ein Baumhaus benutzen zu dürfen… es gibt Wichtigeres im Leben.

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Mein Gastgeber und Mensch der Patous spricht hier von der „Freiwilligkeit patouesken Handelns“, eine Formulierung, die mir ungeheuer gut gefällt!

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Im Moment sitze ich mit dem Laptop unter einem Kirschbaum, umgeben von den fünf Hofhunden, die hier ihre Siesta halten. Hofhund Nummer 6 kommt noch nicht recht zur Ruhe: Er ist zwar bei uns, schafft es aber noch nicht, sich ebenfalls hinzulegen.

Patous_1

Wer meinen heiklen Hund kennt, weiß, dass hier so oder so gerade etwas ganz Außergewöhnliches passiert.

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Für Oskar ist Durantis Abenteuerurlaub!

Gestern haben wir ihn nach reiflicher Überlegung unangeleint zu den Eseln und dem Pony mitgenommen. Ein heikles Unterfangen, dessen Ausgang durchaus unklar schien:
Bei aller Beschwörung der Wohlerzogenheit des eigenen, caniden Vierbeiners – kein vernunftbegabter Eselhalter würde vermutlich seine Hand dafür ins Feuer legen, wie seine Grautiere einen fremden Hund auf ihrer Weide begrüßen.

Esel

Und selbst für zwei Menschen ist es nicht ganz so einfach, einen 20 Kilo-Hund kurzerhand davon zu überzeugen, dass 2 x 300 Kilogramm Esel überhaupt keine Gefahr darstellen…

 Aussicht

Auf Oskars Reaktion bin ich wirklich stolz!
Er ist weder geflüchtet, noch kläffend nach vorne geschossen (womit ich durchaus gerechnet hatte), sondern hat sich geduckt und kleine Brötchen gebacken.
Ziemlich tapfer für einen Hund, dem es nach allen bisherigen Beobachtungen schwer fällt, derlei Begegnungen gelassen zu überstehen.

Als es heute wieder zu den Eseln ging, ist er – durch die gestrige Erfahrung sichtlich an Selbstvertrauen gewachsen – wacker mitgelaufen und hat die neuerliche Begegnung denn auch in Würde überstanden…

Caramelle

Die letzten Zeilen schreibend beobachte ich, wie Oskar die Lücke in der caniden Siesta-Runde, die mich umgibt, schließt, sich hinlegt und einschläft.

Victor_und_Soehne

Ich habe unterdessen mein Tomatenpflanzen-Hochbinde-Diplom gemacht und eine Menge über Bio-Landbau gelernt. Nachher wollen wir Brot backen.

Schon an meinem ersten Tag hier hatte ich das Gefühl, Durantis sei ein Ort außerhalb von Raum und Zeit … Außerhalb der Zeit bestimmt: Die wenigen Uhren, die es hier gibt, sind so unauffällig platziert, dass man sie suchen muss. Wenn man denn will …

Ebenso ist es mit den Spiegeln. Und je seltener man sich in ihnen sieht, desto weniger spielen die üblichen Äußerlichkeiten eine Rolle.

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Bei der Erdbeerernte ist Oskar nicht wirklich eine Hilfe: Zwar pflückt er flink und engagiert, allerdings nicht ins Töpfchen, sondern ausschließlich ins Kröpfchen.

Erdbeeren

Er hat dann aber recht schnell gelernt, dass der Hund – brav neben dem Feld sitzend – ab und zu eine angematschte Erdbeere bekommt.

Später – bei der Kirschernte – lerne ich seine Arbeitsweise zu schätzen:
Nicht das brave Sitzen, sondern das „Ernten“ ohne Umwege… Minimierung der Transportwege optimiert halt die Öko-Bilanz…

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Ich lerne eine Menge über Zäune.

Elektrozäune versetzen:
Esel und Pony mit Futter ablenken, Strom abstellen, stromführendes Band aufwickeln, Zaunstangen einsammeln und ein Stück weiter das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder aufbauen.

Oskar, der ohne große Beachtung mitläuft, umfährt die Esel weiträumig, hat aber offensichtlich einen halbwegs entspannten Umgang mit diesen großen, gefährlichen Tieren gefunden.

Weidezäune reparieren:
Den Zaun abgehen und nach solchen Stellen suchen, wo der Boden sich so gegen den Zaun bewegt hat, dass die Schafe darüberspringen können (ich hatte keine Ahnung, dass Schafe überhaupt springen können). Hier den Zaun mit Draht erhöhen.

Die nötigen Krampen kann man im günstigsten Falle von oben in die Zaunpfähle kloppen. Anderenfalls muss jemand „gegenhalten“…
Für meine zarten Handgelenke ist das nichts, ich setze also meine weniger zarte Kehrseite ein um den Zaunpfahl zu stützen. Auch die ist zarter als gedacht: Der Zaun steht und ich bin grün und blau…

Gleichzeitig nach solchen Stellen Ausschau halten, an denen die Wildschweine versucht haben, sich unter dem Zaun durchzugraben. Diese mit dicken Schieferplatten abdichten.
Beim Versuch, tatsächlich Platten und nicht nur Plättchen heranzuschaffen gelingt es mir zwar, einen erneuten Hexenschuß zu vermeiden, dafür ramme ich mir jedoch einen abgestorbenen Ast ganz böse in den Nacken.
Macht nix: Ich bin nicht nur grün und blau gefleckt, sondern auch vorher schon von oben bis unten voller Kratzer …

Die aufmerksame Betrachtung des Bodens lässt mich (für die Jahreszeit eher ungewöhnlich) einen Maronenröhrling finden.
Dieser wandert sogleich in unser Mittagessen: Pilzcremesuppe.
Die hierzu benötigte Zwiebel ist riesig: Zwiebelsuppe mit Pilzen.
Es ist noch gekochter Reis übrig – der muss weg: Undefinierbare Suppe mit Zwiebeln, Pilzen und Reis.

Schmeckt trotzdem – vor allem mit frischgebackenem Brot!

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Die beiden jungen Patous werden nicht auf Durantis bleiben können, die benötigen einen eigenen Wirkungskreis.
Da ein gewisses Maß an „Benimm“ ihrer Vermittlung sicher nicht im Wege steht, habe ich begonnen, sie auszubilden.

Gehorsam müssen sie nicht sein, die Patous!
Ihre Aufgabe besteht darin, den Hof und vor allem die dazugehörigen Schafe und Ziegen zu bewachen. Dazu müssen sie sich frei bewegen und frei entscheiden können.

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Ich denke dennoch, dass ein paar Spielregeln nicht schaden können…

Bereits vor ein paar Tagen habe ich begonnen, sie mit „ihr Zwerge!“ (die beiden begreifen sich bisher als Doppelpack) und „ici!“ mit einladend ausgebreiteten Armen zu mir zu rufen.
Die hierauf folgende begeisterte Begrüßung endet mit „Schluß“…

Heute ist aus einem Pony-Führstrick eine improvisierte Moxon-Leine geworden und wir sind die ersten Meter an der Leine gelaufen.

Ein „down“ mit zwei Hunden gleichzeitig zu üben war nicht ganz einfach, hier aber unvermeidlich: Diese beiden auch nur zu Trainingszwecken zu trennen, werden wir erst einmal üben müssen.

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Was meine Ernährung betrifft, bin ich ein schlechter Mensch: Ich kann die Argumente, warum Menschen kein Fleisch konsumieren sollten, rauf und runter beten. Ich würde sie auch jederzeit unterschreiben! Solange ich mich nur nicht daran halten muss…

Durantis macht es einem leicht, vegetarisch zu leben: Es bietet einfach nicht die Möglichkeit in alte Koch- und Essgewohnheiten zu verfallen. Anstelle wohlfeiler Fleischwaren gibt es eine Vielzahl spannender Alternativen und anstatt mich hier schön vegetarisch bekochen zu lassen, habe ich die Küche erobert, bestaune die Vorräte an exotischen Zutaten wie Quinoa und Kichererbsenmehl, und zaubere, was das Zeug hält!

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Ursprünglich haben mehrere Generationen einer Familie auf Durantis gelebt und die verschiedenen Häuser teils als Wohnraum (Küchen und Schlafzimmer), teils als Nutzräume (Kastanienverarbeitung, Seidenraupenzucht und Ställe) genutzt. Toiletten und Badezimmer gab es nicht.

Zwar sind die Nutzräume mittlerweile zu Wohnräumen ausgebaut – die Fermette zum Beispiel, in der ich wohne, besteht aus der ursprünglichen Küche. Über eine Leiter komme ich in mein Schlafzimmer, in dem früher Kastanien getrocknet wurden. Aus diesem Grund – der bequemen Anlieferung der Kastanien – liegt mein Schlafzimmerfenster von der Hofeinfahrt aus gesehen zu ebener Erde

EingangEingang

 

Ausgang„Ausgang“

 

Für Bad und WC ist hier kein Platz.

Diese mussten eigens gebaut werden und da es sich hier um Räume handelt, die jeweils nur kurze Zeit genutzt werden, gibt es auf dem Gelände verteilt mehrere Trockenklos und Duschen, die die Bewohner der einzelnen Unterkünfte sich teilen. Ein Trockenklo, auch wenn seine ökologische Sinnhaftigkeit mir absolut einleuchtet, würde ich auch nicht unbedingt in der Wohnung haben wollen …

„Sorry, das bedient leider vor allem Vorurteile. In der Wohnung verlangt ein Trockenklo zweifelsfrei einen größeren Installationsaufwand, machbar ist das aber trotzdem!“
(Anmerkung der Redaktion und des Trockenklo-Bautrupps)

„Mein“ Klo erreiche ich sehr bequem, indem ich aus meinem – wie bereits erwähnt – ebenerdigen Schlafzimmerfenster steige. In der Nacht muss ich häufig auch noch über den riesigen Grasfrosch steigen, der vor meinem Fenster lebt. Das ganze hat schon einen gewissen rustikalen Charme und die spektakuläre Aussicht über die Cevennen, die dieses Örtchen bietet, entschädigt für jeden Mangel an Komfort!

Um in die große Hauptküche zu gelangen, laufe ich quer über den Hof.

Vorräte, die zum Kochen benötigt werden, befinden sich nicht zwingend in oder in der Nähe der Küche, sondern in verschiedenen kleinen Lagerräumen, die man über Höfe, Treppchen und durch Gärten erreicht. Mich erinnert das Ganze immer wieder an eine Zeichnung von Escher …

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Das Training mit den „Zwergen“ ist für mich eine ganz neue Erfahrung.

Gar nicht mal, weil es ungewohnte Herausforderungen an Koordination und Timing bedeutet, die „Basics“ mit zwei Hunden gleichzeitig zu erarbeiten, sondern vielmehr, weil die Zusammenarbeit absolut freiwillig erfolgt.

Weder gibt es ein eingezäuntes Trainingsgelände, noch eine Leine: Die beiden können jederzeit an ihre eigentliche Arbeit oder zu ihren Junghundevergnügungen zurückkehren, arbeiten aber hochkonzentriert mit, weil es ihnen offensichtlich interessant und lustig erscheint.

Und sie geben sich solche Mühe! Vor allem bei Igor kann man – wenn er versucht, eines meiner Handzeichen zu deuten – das kleine Gehirn regelrecht rattern hören.

Ich habe so viel darüber gelernt, dass der Hund sich am Menschen orientieren solle und wie der Mensch dies erwirken könne… Und diese beiden Patous folgen mir einfach: So, wie die Küken der Henne…

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Allmählich lerne ich auch die nähere Umgebung kennen.
Auf und um Durantis wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Gärten angelegt und bewirtschaftet. Edelkastanien, aber auch Gemüse und Früchte wurden und werden hier angebaut.

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Vieles liegt seit Jahrzehnten brach oder ist durch ungeeignete „Maßnahmen“ wie zum Beispiel Brandrodung empfindlich gestört worden.

Die alten Wege, Gebäude und Terrassen sind immer noch da, sind aber mehr oder weniger verfallen und harren ihrer Restaurierung.

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Wir steigen auf Hügel, die kahlgeschlagen wurden, um Treibjagden zu ermöglichen. Wüsste man nicht um die traurige Geschichte dieser Hügel, sie wären ein faszinierendes Wandergelände. Und einen traumhaften Ausblick bieten sie sowieso.

Wir steigen hinab über verfallene, überwucherte Pfade und Treppen und entdecken märchenhafte Orte, die uns zum Verweilen einladen.

Diese Unternehmungen bezeichnen wir recht schnell als „Familienausflüge“ …

Sofern die Patous abkömmlich sind (also nichts Wichtigeres zu tun haben), und tatsächlich alle Menschen, Stadt- und Spielhunde, sich auf den Weg machen, sind wir stets in guter und großer Gesellschaft.

Hundebad_2

Victor läuft uns selbstverständlich nicht hinterher! Er geruht zu erscheinen und bewacht unser Treiben aus der Distanz. Freya findet sich schon eher bereit, nach uns und ihren Söhnen zu schauen, verhält sich aber ähnlich gelassen.
Brian und Oskar laufen mit uns.
Und die Zwerge laufen uns tatsächlich hinterher…

Ab und an lassen wir uns dann alle gemeinsam nieder.

Hundebad

Ich bin völlig fasziniert von der Selbstverständlichkeit, mit der die Hunde unterdessen miteinander umgehen!

Ich hab noch ganz deutlich vor Augen, mit welchem Anspruch ich hier angetreten bin:
„Ich führe meinen Hund!“, ich biete ihm Orientierung und ich beschütze ihn. Ich leite ihn bei der Jagd an. Ich habe meinen Hund jederzeit im Auge.

Ich finde all das immer noch richtig und wichtig!
Normalerweise leben wir ja eben nicht an einem Ort, an dem Hunde Hunde sein und einfach ihren Job machen dürfen.

Gelandet in einem Hundeparadies lasse ich die Zügel schießen und stelle fest, dass mein Hund hier ebenso und ganz selbstverständlich alle Anleitung findet, die er benötigt.

Und ich gönne es ihm von Herzen!

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Wenn man es nur zulässt, ist man auf Durantis nach kürzester Zeit kein Gast mehr, sondern gehört einfach dazu.

Für die Trekkies: Man wird ruckzuck assimiliert ohne Widerstand auch nur in Erwägung zu ziehen.
Ich sehe die anstehende Arbeit und könnte allein mit dem, was ich ohne Hilfe erledigen kann, bequem meine Tage ausfüllen. Mein sehr aufmerksamer Gastgeber bremst jedoch meinen Tatendrang und sorgt dafür, dass ich hier auch Erholungsurlaub mache.

Mir selber ist eher nach aktiv / kreativ zu Mute:
Es sind schon wieder ganz dringend Erdbeeren zu ernten… wie wohl Erdbeermarmelade mit einem Hauch Lavendel schmeckt?
Seit Tagen will ich Kräuter einsalzen …
Und was tu ich mit den Kirschen?

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Die Hunde zu beobachten, bleibt faszinierend:

Dass ein Hund, der einem anderen eine Grenze gesetzt / diesen gemaßregelt hat, im nächsten Moment eine freundliche, versöhnliche Geste zeigt, habe ich schon ganz oft gehört.
Jetzt beobachte ich, wie Oskar, der soeben seinen Anspruch auf menschliche Zuwendung Brian gegenüber durchgesetzt hat, diesen beschnuppert und dann Spielaufforderungen macht.

Als Besuch kommt, rennt Oskar mit den anderen los um diesen zu „begrüßen“, überlässt die Verantwortung aber sehr schnell den erwachsenen Patous, die ihr mit der gewohnten Souveränität nachkommen. Er selber begnügt sich mit der Rolle des Concierge und nimmt den Gast ausnehmend freundlich und respektvoll in Empfang.

Gegen Ende unseres Aufenthaltes scheint er mir ganz und gar angekommen zu sein:
Immer noch in respektvollem Abstand zu Victor liegt er doch, ganz Hofhund, mitten im Weg herum und hat das Geschehen im Blick.

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Es stimmt mich wehmütig, morgen schon wieder abreisen zu müssen!
Da ist noch so viel zu tun, zu lernen, zu erfahren …
Ich gehe umher und versuche, das Licht, die Farben, die Geräusche und Gerüche ganz aufmerksam wahrzunehmen, damit ich nichts davon vergesse.

Wir verlassen Durantis verändert.
Beide haben wir hier eine ganz andere als die gewohnte Lebensweise kennen und lieben gelernt. Wir werden davon soviel wie möglich in unseren Alltag mitnehmen.

Oskar entgeht die „Aufbruchstimmung“ nicht und er wirkt genau so unwillig und traurig, wie ich mich fühle.

„Durantis mag gefangen nehmen, aber eben nicht halten“, lasse ich mir erklären.
Und natürlich ist mir bewusst, dass ich mich eben nicht widerstandslos fügen (siehe assimilieren) muss. Ich darf ganz frei entscheiden, diesen traumhaften Ort auch wieder zu verlassen …

Es tut halt nur weh.

Obwohl unser Aufbruch aus Sicht der Patous durchaus eine Ruhestörung darstellen muss, kommentieren sie diesen nicht …
Sie lassen uns in aller Stille ziehen.

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Auf meinem Weg über den nächtlich dunklen Innenhof habe ich regelmäßig die Taschenlampe ausgemacht um die Sterne anzuschauen.

Was ich mir beim Anblick der Sternschnuppen gewünscht habe, verrate ich nicht …

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Hundebegegnungen die vierte

Wenn wir einem angeleinten Hund begegnen, leine ich meinen Hund ebenfalls an.

Natürlich kann ich ihn ebenso gut ins „Fuß“ bitten oder ihm sonst ein Alternativverhalten anbieten, aber das Anleinen signalisiert dem anderen Hundehalter in aller Deutlichkeit, dass mein Hund unter meiner Kontrolle ist (dass mein Kommando ebenso wirksam ist wie die Leine, kann der andere ja nicht wissen).
Und natürlich führe ich meinen Hund auf der abgewandten Seite: Wenn er an der Leine ist, bin ich für die Regelung unserer Sozialkontakte zuständig.

Ganz oft passiert dann folgendes: Der andere Hund zieht mit aller Kraft zu meinem hin und der Mensch sagt bedauernd „da kannst du jetzt nicht hin, der muss üben!“.

Neehehe! Mein Hund muss das nicht üben, der kann das aus dem eff eff weil wir das nämlich seit Jahren so machen!
Weil es sozusagen zu den Verkehrsregeln bei Hundebegegnungen gehört.

Jede dieser Begegnungen weckt in mir das ungute Gefühl, dass viele der Fertigkeiten, die für ein stressfreies Miteinander unabdingbar sind, tatsächlich nur in der Hundeschule geübt werden. Im „richtigen Leben“ spielen sie keine Rolle…

Das ist so, als würde – wenn man den Führerschein erst einmal hat – „rechts vor links“ nicht mehr gelten!
Zugegeben: Wenn man manche Leute Auto fahren sieht, dann ist das genau so…

Früher hieß es „nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“.
Wäre schön, wenn das in der Hundeausbildung auch gelten würde!

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Woran erkenne ich eine gute Welpengruppe?

🙂 Die Hunde sind 8 – 16 Wochen alt.

Bis zur 16. Lebenswoche spricht man von einem Welpen, danach von einem Junghund. Wichtig ist erstens, dass die Sozialisierungsphase mit der 16. Woche weitgehend abgeschlossen ist und zweitens, dass Junghunde bereits andere Verhaltensweisen zeigen, als Welpen. In einer gemischten Gruppe können die Welpen leicht überfordert werden.

Sehr kleine oder extrem unsichere Welpen können im Ausnahmefall auch bis zur 18. Woche bleiben.

🙂 In der Gruppe sind maximal 5 Welpen pro Trainer.

Sicher haben Sie schon bemerkt, dass es schwierig ist, auch nur einen Welpen im Auge zu behalten. Auch ein Hundetrainer hat keine Augen im Hinterkopf und kann nicht unbegrenzt viele Menschen beraten.

😐 Es ist ein erwachsener Hund dabei.

Ein souveräner, freundlicher Erwachsener, der den Welpen gegebenenfalls Grenzen setzt, ist zweifellos eine Bereicherung.

Wichtig ist allerdings, dass nicht der Hund die Erziehung übernimmt, sondern in erster Linie die Menschen.

🙂 Die Welpen werden zur Welpengruppe getragen

Häufig ziehen begeisterte Welpen ihre Menschen in Richtung Wiese und lernen so, dass das Ziehen an der Leine eine höchst lohnende Sache ist. Um den Welpen an der Leine zu führen ist meist die Zeit zu kurz und / oder die Strecke zu lang. Das Tragen mag lästig sein, erspart Ihnen aber eine Menge lästiges Gezerre.

🙂 Bevor das Spiel beginnt begrüßen die Menschen einander, alle leinen ihre Welpen in Ruhe ab, nehmen noch einmal Blickkontakt auf und geben sie dann frei. Es gibt keinen Hundekontakt an der Leine.

Später möchten Sie sicher nicht, dass Ihr Hund ungefragt zu jedem anderen Hund hinrennt! Der andere könnte krank, läufig, unverträglich oder ängstlich sein. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf andere Hundehalter, auch wenn Ihrer „nur spielen“ will.

An der Leine sollte Ihr Hund Sie nicht zum Ziel seiner Wahl zerren – vor allem Besitzer großer Rassen sollten hier den Anfängen wehren.

🙂 Geschirre und Halsbänder werden ausgezogen.

Geschirre und Halsbänder können sich beim Toben ineinander verheddern und die Welpen erschrecken oder Verletzungen hervorrufen.

🙂 Jeder streichelt und füttert nur seinen eigenen Welpen.

Wenn Sie Ihrem Hund gar nicht erst beibringen, zu anderen Menschen zu laufen um dort um Streicheleinheiten und Futter zu betteln, müssen Sie es ihm später nicht mühsam abgewöhnen.

😐 Während die Welpen spielen kann man Fragen stellen.

Ihr Trainer sollte sich Zeit für Ihre Fragen nehmen. Vor allem muss er aber die Welpen im Auge behalten und ggf. Hilfestellung bieten.
Günstiger ist es, wenn es Spielpausen gibt, während derer man Fragen stellen kann.

🙂 Das Spiel wird zwischendurch regelmäßig unterbrochen, die Welpen sind bei ihren Menschen und lernen, eine Pause zu machen.

Beim so genannten Abschalttraining lernen die Welpen, sich auch in spannenden Situationen zu entspannen. Die Anwesenheit anderer Hunde bedeutet ja nicht immer, dass jetzt die Party losgeht!

😦 Die Menschen beobachten die Welpen lediglich, „die machen das schon unter sich aus“.

„Unter sich ausmachen“ kann durchaus bedeuten, dass 4 Welpen lernen wie man den 5. mobbt. Und der 5., dass andere Hunde furchtbar sind. „Hunde sind auch nur Menschen“: An Rüpelei und Mobbing gewöhnt man sich nicht.

🙂 Die Trainer zeigen und erklären, wie man an der Körpersprache des Welpen erkennt, ob er sich wohl fühlt oder eher skeptisch ist, oder ob er Angst hat.

Nur wenn Sie Ihren Hund „lesen“ können, kann er sich von Ihnen verstanden fühlen. Und nur dann können Sie erkennen, wann er Ihre Hilfe braucht.

🙂 Die Menschen lernen, zu erkennen, wann das Spiel zu wild wird.

Hunde nutzen Spielverhalten unter anderem um Konflikte zu klären und körperliche Auseinandersetzungen zu vermeiden. Was wir Menschen für ein schönes Spiel halten, macht durchaus nicht immer allen Beteiligten Spaß! In der Welpengruppe können die Hunde verschiedene Verhaltensweisen ausprobieren, sie sollten jedoch auch lernen, dass manche Verhaltensweisen nicht erwünscht sind. Die Menschen müssen lernen, zu erkennen, was noch spielerisch und für alle Beteiligten okay ist, und wann sie eingreifen müssen.

😐 Wenn das Spiel zu wild wird, greifen die Trainer ein.

Grundsätzlich sollte jeder Hundehalter selbst eingreifen, sei es, um seinen Hund zu schützen, oder um ihn zu bremsen. Die Trainer sollten nur dann eingreifen, wenn der Halter gerade zu weit weg ist.

🙂 Die Menschen lernen, wie sie ein zu wildes Spiel beenden können.

Es ist nicht nötig, gleich massiv einzugreifen: Man kann die Welpen sanft trennen oder ggf. einen der beiden hochnehmen.

😦 Um unerwünschtes Verhalten zu unterbinden, wird eine Disc (Schelle) eingesetzt.

Die Disc ist ein Mittel, mit dem man den Hund bewusst traumatisiert um Verhalten zu unterbrechen. Sie kann in bestimmten Fällen im Einzeltraining eingesetzt werden, jedoch nicht in einer Gruppe. Bitte setzen Sie die Disc, Wurfketten oder Rappeldosen NIEMALS bei Ihrem Welpen ein!

😦 Wenn die Welpen raufen werden sie nass gespritzt.

Hier handelt es sich um eine so genannte „anonyme Korrektur“: Ein Welpe, der im Spiel zu grob wird, wird erschreckt und weiß nicht, woher der erschreckende Reiz kommt. Die ursprüngliche Idee war, der Hund solle nicht merken soll, dass der unangenehme Reiz von seinem Menschen kommt.

Es gibt bessere Methoden, eine Rauferei zu beenden und vor allem: Beim Bespritzen mit Wasser wird (ähnlich wie bei der Disc) nicht nur der „Täter“ bestraft, sondern das „Opfer“ gleich mit.

😦 Welpen die knurren, die Zähne fletschen oder aufreiten werden auf den Rücken geworfen.

Sinn und Zweck einer Welpengruppe ist, dass die Welpen verschiedenste Verhaltensweisen spielerisch ausprobieren können. Dazu gehören Jagd- und Kampfspiele, Drohverhalten und auch Dominanzgesten.
Sie müssen lernen, welches Verhaltensrepertoire ihnen zur Verfügung steht und was die jeweiligen Konsequenzen sind. Wird z.B. Drohverhalten stets heftig gemaßregelt, besteht die Gefahr, dass der Hund später nicht mehr droht (das ist ja verboten), sondern gleich zum Angriff übergeht.

Bitte werfen Sie Ihren Welpen überhaupt nicht auf den Rücken!
Unterwerfung ist aktiv: Man rollt sich auf den Rücken um sie zu signalisieren. Umgeworfen werden ist einfach nur umgeworfen werden.

Bringen Sie Ihrem Welpen lieber bei, sich entspannt und vertrauensvoll von Ihnen auf den Rücken legen zu lassen!

😦 Wenn ein Raufspiel laut wird, werden die Welpen sofort getrennt.

Klappern gehört zum Handwerk! Je nach Hund darf das Spiel auch ruhig mal wild und laut sein. Wichtiger ist, ein Spiel zu beenden wenn es für einen der Beteiligten unerfreulich ist, oder in eine Auseinandersetzung zu „kippen“ droht.

😦 Ist einer der Welpen ängstlich, schiebt der Mensch ihn von sich weg oder verlässt die Spielwiese weil der Hund „das lernen muss“.

In diesem Moment lernt Ihr Welpe vor allem eines: „Mein Mensch bringt mich in eine beängstigende Situation und hilft mir nicht. Ich bin ganz auf mich gestellt.“ Das bedeutet, eine seiner ersten Erfahrungen ist die, dass man sich auf Sie besser nicht verlässt!

Viele Welpen sind zunächst eher skeptisch oder haben sogar Angst. Bieten Sie Ihrem Hund Schutz: Er darf sich zwischen Ihre Beine, auf Ihren Schoß oder auf Ihren Arm flüchten! Wenn die anderen Welpen ihn bedrängen, halten Sie sie auf Distanz.

Versprochen: Irgendwann wird Ihr Welpe losmarschieren! Wenn er zunächst Angst vor der eigenen Courage kriegt, sind Sie für ihn da.

Keine Sorge: Sie erziehen ihn damit nicht zu einem Angstbeißer! Im Gegenteil: Ihr Welpe lernt, dass man sich mit Ihnen gemeinsam ruhig mal was trauen darf.

🙂 In der Gruppe sind viele verschiedene Rassen.

Seine eigene Rasse kennt Ihr Welpe. Während der Sozialisierungsphase sollte er möglichst viele andere Rassen kennen lernen, damit er deren Aussehen, Ausdrucks- und Spielverhalten kennen lernen kann. Im Optimalfall lernen Whippet und Mops, dass der jeweils andere ein Artgenosse ist, auch wenn man das zunächst nicht meinen sollte.

🙂 Die Welpen sind unterschiedlich groß.

Wie gesagt: Es geht unter anderem darum, Artgenossen kennen zu lernen, die ganz anders aussehen als man selbst. Gerade die Halter kleiner Rassen suchen häufig nach Welpengruppen, in denen kleine und große Rassen getrennt werden. Natürlich können Hunde mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen und ähnlichem Verhaltensrepertoire eher miteinander spielen. Es ist jedoch immens wichtig, dass sie auch lernen, mit anderen Rassen zu kommunizieren: Sehr kleine Hunde müssen lernen, dass die Großen auch Hunde und keine Aliens sind, die Großen müssen lernen, dass man mit den „Zwergen“ sehr viel vorsichtiger umgehen muss.

Selbstverständlich wird man einen 8 Wochen alten Chihuahua nicht mit einem 12 Wochen alten Bernhardiner spielen lassen! Umgekehrt wird jedoch durchaus ein Schuh daraus: Dann ist der Chihuahua schon sehr viel flinker und wendiger und gleicht seinen Mangel an Körpergröße locker aus.

Und genauso selbstverständlich wird stets darauf geachtet, dass keiner der Hunde überfordert oder gar traumatisiert wird!

😐 Es stehen Bällebäder, Planschbecken, Tunnel u.ä. zur Verfügung.

Je mehr neue Eindrücke Ihrem Welpen geboten werden, desto besser!
Wichtig ist allerdings, dass die Welpen diese Herausforderungen bewältigen und verarbeiten können.

😦 Die Trainer klappen unvermittelt Regenschirme auf oder rappeln mit Dosen damit die Welpen sich an laute Geräusche gewöhnen.

Welpen sollten an potentiell erschreckende Reize stets behutsam herangeführt werden. Ein seriöser Trainer wird NICHTS tun, ohne Sie vorher zu informieren.

😐 Die Trainer bieten weitere Sozialisierungsübungen an.

Welpen sollten nicht nur andere Hunde, sondern einfach alles kennen lernen, was sie in ihrem späteren Leben stressfrei bewältigen sollen.
Es schadet nicht, wenn die Welpengruppe auch einmal einen Ausflug in die Stadt macht. Dies sollte jedoch zusätzlich zur Spielgruppe stattfinden, nicht anstatt.

Wichtig ist, dass hierbei kein Standardprogramm abgespult, sondern auf jeden Welpen individuell eingegangen wird. Bei sehr unsicheren Welpen sollte die Sozialisierung im Einzeltraining stattfinden.

😦 Nach dem Spiel lernen die Welpen die ersten Kommandos.

Kommandos, die der Welpe bereits beherrscht, können in der Gruppe verfestigt werden. Ansonsten ist Lernen nach dem Spiel wie Matheklausur nach Sportunterricht. Ihr Welpe lernt auch beim Spielen und muss eine ungeheure Menge Eindrücke verarbeiten. Überfordern Sie ihn nicht!

😦 Mein Welpe lernt genug andere Hunde kennen.

Je mehr (nette) Hunde ein Welpe kennen lernt, desto besser! Erwachsene Hunde sind jedoch kein Ersatz für eine Welpengruppe. Die Welpen untereinander sind gleichberechtigt und können Verhaltensweisen einüben, die ein Erwachsener ignorieren oder aber maßregeln würde. Menschenkinder spielen Doktorspiele ja auch mit anderen Kindern und nicht mit Erwachsenen.

😦 Mein Welpe soll „durchgeimpft“ sein bevor er in eine Gruppe kommt.

Im Optimalfall bringen die Welpen den Impfschutz ihrer Mutter mit.. Es besteht zwar ein gewisses Risiko, sich in der Welpengruppe anzustecken, das Risiko, dass es ohne den Besuch einer Welpengruppe später zu Verhaltensstörungen kommt, ist jedoch sehr viel höher. Mit der letzen Impfung ist leider auch die Sozialisierungsphase beendet.

🙂 🙂 🙂 Ich suche mir eine Welpengruppe, bevor mein Hund bei mir einzieht.

Es braucht nicht viel um einen Welpen tief zu traumatisieren! Bitte schauen Sie sich Welpengruppen an bevor Ihr Hund bei Ihnen einzieht, lassen Sie nicht ein Hundekind die Qualität einer Welpengruppe testen!

Ein seriöser Trainer wird auch Fragen nach seinen Trainingsmethoden bereitwillig beantworten.

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Brief an das DOGS Magazin bezüglich des Interviews mit Michael Grewe

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist legitim, wenn ein Hundemagazin über verschiedenste Trainingsmethoden und –philosophien sowie deren Verfechter berichtet.

Die Art und Weise, wie Sie sich des Themas „Trainingsmethoden bei Canis / Michael Grewe“ angenommen haben, hat mich allerdings äußerst unangenehm berührt.

Ich möchte hier gar nicht vertiefen, ob und inwiefern es ethisch vertretbar, sinnvoll, oder auch nur zielführend ist, einen Hund ins Gesicht zu schlagen. Ich möchte auch nicht hinterfragen, ob und welchen Unterschied es ausmacht, womit der Hund geschlagen wird. Mir geht es um Ihren Umgang mit diesem Thema.

Zunächst finden wir ein ausführliches Interview mit Herrn Grewe, illustriert mit einer familiären Szene am Kamin, das diesem ausgiebig Gelegenheit bietet, sich zu dem bewussten Video sowie seinem Trainingsansatz zu äußern.

Nun hätte man unschwer eine ähnlich prominente „Trainergröße“ in ähnlich familiärem Rahmen dazu befragen können, welche Möglichkeiten des gewaltfreien Trainings sie für gefährliche Hunde sieht.
Stattdessen bedient man sich zweier Trainer, die in der Hundeszene weit weniger bekannt sein dürften (womit ich nichts gegen die Kollegen gesagt haben will!), zitiert diese lediglich und garniert das Ganze mit üblen Fallbeispielen.

Auffällig ist: Michael Grewe stellt fest.
Thomas Riepe und Jörg Tschentscher, glauben, finden und nehmen an

Michael Grewe bemerkt, dass gewaltfreies Training zeit- und kostenintensiv ist und dass die Hundehalter hier emotional manipuliert werden.

Zum gewaltfreien Training gibt DOGS zu bedenken, dass das Leben keine Laborsituation ist. „Passieren Fehler, muss man mit dem Training von vorn beginnen. Das kostet Zeit und Nerven.“ Und ggf. Geld (Anmerkung der Autorin).

Die Standpunkte als solche sind völlig in Ordnung, auch wenn ich nur einen davon teile.
Ärgerlich ist, dass eine Zeitschrift, die unabhängig und seriös daherkommt, gleichwohl Stellung bezieht.

Der letzte Absatz macht die Sache perfekt:
„Die Frage, ob man einen Hund einschüchtern darf, um sein Verhalten zu ändern, ist daher falsch gestellt. Besser ist es doch zu fragen: Würden Sie Ihren Hund einschüchtern oder sogar schlagen, bevor dieser einen anderen Menschen angreift?“

Die Fragestellung erinnert an die „Gewissensprüfung“ der sich angehende Wehrdienstverweigerer in den 80ern unterziehen mussten: „Stell Dir vor, deine Freundin wird vergewaltigt und Du hast ZUFÄLLIG eine Handfeuerwaffe dabei“… (BAP Fans wissen, was ich meine)…
Und an andere Totschlagargumente („wenn deine Mutter auf der Straße erschossen würde, wärest du auch für die Todesstrafe!“).

Ich darf hierzu aus Ihrem Editorial zitieren:
„Denn DOGS ist ein journalistisches Medium, nicht der verlängerte Arm nur einer gedanklichen Fachrichtung.“

Ihre Art der Berichterstattung steht nicht dafür!

Ich habe die DOGS abonniert und bisher mit Vergnügen gelesen.
Nun bin ich enttäuscht und verärgert und werde mein Abo ggf. kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Blitz

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